Ein herzliches Grüß Gott, geschätzte Pfarrgemeinden im Seelsorgeraum!
Was tun wir an Fronleichnam?
Mit dem Fronleichnamsfest beginnen vielerorts wieder die alljährlichen Prozessionen. Es sind dies Höhepunkte des kirchlichen Jahreskreises. Was feiern wir da eigentlich? Heiner Lohe erklärt:
"Wenn sich Zehntausende aus dem Haus trauen, um für ihre (politischen) Interessen einzutreten, wird sichtbar, was ihnen wichtig ist. Auf tausenden Plakaten ist es zu lesen. [...] Ob wir heute oder in den kommenden Tagen, denn vielerorts findet das heutige fest ja erst am Sonntag statt, bundesweit auf Zehntausende sind, die sich aus dem Haus trauen, um für ihre religiöse Überzeugung auf die Straße gehen? [...] Das, was wir katholische Christen an Fronleichnam begehen, nennen wir nicht Demonstration, sondern Prozession.
Wortbedeutung
Das lateinische Wort "procedere" meint einen Fortschritt, ein Voranschreiten, ein "Auf-dem-Weg" sein. Und dennoch taucht das Wort "Demonstration" in verkürzter Form wieder auf, denn bei der Prozession wird eine Monstranz durch die Straßen getragen. "Monstrare" heißt zeigen, hinweisen. Die Monstranz, das Schaugefäß, mit der Mitte, in der sich die geweihte Hostie befindet, ist oft aus edelsten Materialien hergestellt. Das, was uns im Glauben das Wertvollste ist, kann nicht in weniger wertvollen Gefäßen gezeigt werden. Das, was uns im Glauben das Wertvollste ist, ist genau das, was das alte Wort "Fronleichnam" bedeutet. Wer früher Frondienst leisten musste, leistete sie seinem Herrn. Und seinerzeit meinte das Wort "Leichnam" nicht das, was wir heute darunter verstehen. Es ging nicht um den Körper eines verstorbenen Menschen, sondern ganz im Gegenteil um den lebendigen Leib. In deutscher Sprache hat es also eine Bedeutungsverschiebung gegeben. Und so zusammengesetzt, geht es beim Wort Fronleichnam also um den Leib des Herrn, oder wie wir es in der Kommunion hören, um den Leib Christi. Das Fest greift einen anderen Festtag auf, der schon zwei Monate zurückliegt, aber auch an einem Donnerstag begangen wurde: den Gründonnerstag. [...]
Die Monstranz wird unter einem Baldachin getragen. [...] Das Wort, das wir heute oft mit "Tragehimmel" übersetzen, stammt aus dem Italienischen und ist im 14. Jahrhundert entstanden, weil es die Stadt Bagdad meint, aus der seinerzeit die wertvollen Tücher dafür stammten. Auch hier gilt, was für die Monstranz gilt: das Wertvolle wird mit Wertvollem vor Sonne und Regen geschützt. Vielerorts bilden die Kommunionkinder des Jahres an den vier Stationen ein Spalier, in dem sie rechts und links eine Gasse bilden. [...] Wenn die Kommunionkinder also ein Spalier bilden, dann nicht, weil man sonst nicht wüsste, wie man sie am besten positionieren könnte, sondern um dem die Ehre zu erweisen, der durch ihre Mitte getragen wird, unser Herr Jesus Christus. In der Regel wird an vier Stationen Halt gemacht. Die Zahl vier ist natürlich kein Zufall. Aus jedem der vier Evangelien wird ein Abschnitt vorgetragen und idealerweise, zumindest spielt der Gedanke mit, wird der Eucharistische Segen in alle vier Himmelsrichtungen gespendet.
Was uns wichtig ist
Wenn wir die Fronleichnamsprozession begehen, dann machen wir das bewusst, weil wir zeigen wollen, was uns wichtig und wertvoll ist. [...] In vielen Gemeinden sind es im Laufe der Jahrzehnte deutlich weniger Menschen geworden, die bei einer Prozession mitgehen, aber seien Sie gewiss, dass Jesu Wort auch bei der Prozession gilt: Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen. Geben wir ihm die Ehre, der für uns da ist, zeigen wir der Welt, was uns wichtig ist: die Gemeinschaft mit dem Herrn."
(Heiner Lohe in Liturgie Konkret Plus - Messfeier, Mai 2024, Demonstration im Prozess)
Ich möchte an dieser Stelle auch allen ein "herzliches Vergelt´s Gott" sagen, die zur Feierlichkeit unserer Prozessionen beitragen und alle herzlich einladen, dem Herrn durch unser Mitgehen, Mitbeten und Mitsingen die Ehre zu erweisen....
So wünsche ich allen einen gesegneten Monat Juni und alles Liebe und Gute,
Ganz herzlich Dekan Ferdinand ☺️




