Wochenzettel

für Matrei, Kals und Huben

Eindrücke einer Urlauberin in der Nikolauskirche

Über Sucher und Seher:

was ein Freskenmaler aus den 14 Jahrhundert mir über das Leben erzählt

Fast jeden Tag, wenn ich in Matrei bin, besuche ich die schöne Nikolauskirche.

Wenn man durch die Tür hereinkommt, setzt man sich am besten erst eine Weile ruhig nieder, um die Stille auf sich einwirken zu lassen, um innerlich ruhig und offen zu werden.

Vorne sieht man den Unter- und Oberchor mit Fresken.
Ich gehe am liebsten gleich die Treppe hoch zum Oberchor.

Man erwartet dort Fresken vom Leben Jesu oder Maria.
Aber große Überraschung: man geht unter der Jakobsleiter durch eine “Kuppel” hinein.

Dort sieht man das Neue Jerusalem.
Jedes Mal habe ich mich gewundert: die Jakobsleiter und das Neue Jerusalem sind hier zusammen abgebildet. Über das erste können wir  in Genesis lesen, das Buch mit dem die Bibel anfängt. Und das zweite ist beschrieben im letzten Bibelbuch, der Offenbarung des Johannes. Und dazu sind noch die personifizierten Darstellungen von der vier Elementen abgebildet.


Was hat der Maler, der bestimmt sehr mit der Bibel vertraut war, uns mit diesen Abbildungen, genau so zusammengefügt, sagen wollen? Was hat das zu bedeuten?
Ich habe versucht eine Antwort auf diese Frage zu bekommen.
Aber keiner hat mir da helfen können. Auch nicht bei einer Kirchenführung.
Darum werde ich mich jetzt niedersetzen und mit Ihnen auf die Suche gehen, weil ich glaube, dass der Maler uns etwas Wichtiges mitzuteilen hat. Eine Botschaft für damals, aber nicht weniger für uns heute.


Die Jakobsleiter

Jakob, wer war er?

Enkelsohn von Abraham, Zwillingbruder von Esau.
Mit seinem Bruder in Konflikt, er hat ihm das Erstgeburtsrecht gestohlen.
Und darum muss er fort.
Er ist auf der Flucht, ganz alleine, weit vom Elternhaus entfernt.
Am Abend legt er sich müde hin und schläft ein.
Da hat er einen wunderbaren Traum: vom Himmel aus ist eine Leiter auf die Erde gestellt und Engel gehen darauf auf und ab.
Mit sich nach oben tragen sie Jakobs Not, seine Scham, seine Schuld und seinen Kummer um die Vergangenheit. Und auch Gefühle von Unsicherheit und Angst für den neuen Tag. Was soll jetzt aus seinem Leben werden?
Und vom Himmel herunter tragen die Engel Gottes Trost und Gelöbnis mit sich: Jakob, Ich bin der Gott von Abraham, Isaak und auch deinem Gott. Ich gehe mit dir und werde dich schützen, du bist nicht alleine wo du auch hingehst. Ich werde dich zurückbringen in dieses Land und es dir und deinen Kindern geben.


Und Jakob wacht auf und er weiß: Gott ist an diesem Ort!
Dies ist ein Tor zum Himmel und ich habe es nicht gewusst.
Dies ist ein Haus Gottes: “Bethel”.
Das ist es, was der Maler uns sagen möchte, wenn wir unter dem Bogen durchgehen:
Sei aufmerksam, dies ist ein Ort Gottes, hier offenbart Gott sich, wie damals bei Jakob.

 

P1000539.jpgP1000542.jpgfresken-nikolaus1.jpg


Das Neue Jerusalem

Und der Freskenmaler arbeitet weiter:
wie im Traum Jakobs sind in dieser Abbildung Himmel und Erde verbunden.

Das Neue Jerusalem ist nicht weit weg, aber mit den vier personifizierten Elementen gegründet auf der Erde.
Wir können über das Neue Jerusalem im letzten Bibelbuch lesen, der Offenbarung von Johannes.
Die damaligen ersten Christen in Klein- Asien leisteten Widerstand gegen die Verehrung des römischen Kaisers und werden unterdrückt und verfolgt.
Und Johannes versucht mit seiner Visionen die Gläubigen zu ermutigen und ruft sie auf, stand zu halten: die Macht gehört nur Gott und nicht dem Kaiser.
Am Ende dieses Bibelbuches lesen wir über die strahlende Vision von einem neuem Himmel und einer neuen Erde mit der Stad Gottes im Mittelpunkt.

Genauso wie in unserer Kuppel in der Nikolauskirche, da noch umringt von Propheten, Aposteln und zahlreichen Heiligen.
Unser spirituelles Zuhause


Warum bin ich so gerne in dieser Kirche?

Weil ich beim Besuch in der Stille und der einzigartigen Atmosphäre immer innerlich bewegt werde und ein Gefühl habe nach Hause zu kommen.
Ich betrete die Welt so wie es mir die Erzählungen in der Bibel erzählen und schildern.
Mit Jakob werde ich aufgerufen aufzuwachen aus meiner täglichen Welt voller Fragen, Sorgen, Gefühle, vom Alleine sein.


Wachet auf! Gott ist an diesem Ort, ja hier, wachet auf, bei dir, mitten im Leben, in deiner Grübelei und in allem was du mit dir trägst.
Hab Vertrauen, Er wird um dich herum sein und dich schützen wohin du auch gehst.


Und zusammen mit den Propheten, Aposteln und Heiligen (die mich umringen, wenn ich oben stehe und hochschaue) lerne ich:
das Königreich Gottes ist unter uns, es fängt an dort wo die Menschen Gott dienen und miteinander in Frieden leben. Das ist eine genauso reelle Welt wie unsere weltliche Gesellschaft, nur sieht man sie oft nicht so deutlich wie hier wiedergegeben.

Matrei kann sich glücklich schätzen, so eine universelle Botschaft in solch schönen Fresken in seiner Mitte zu haben!


Pfarrer Drs. Carla Kühler, Niederlande

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